Passend zum 100-jährigen Vereinsjubiläum des TV Wellingholzhausen haben mit Veit Usslepp und Mathias Lührmann gleich zwei junge WTV-Trainer in diesem Jahr die dritthöchste Trainerlizenz abgeschlossen, die sogenannte „DFB-Elite-Jugend-Lizenz“. Höher angesiedelt sind nur noch die A-Lizenz sowie der Fußball-Lehrer. Im Interview sprechen Usslepp, Trainer der 1. Herren, und Lührmann, jüngst mit der A-Jugend in die Kreisliga aufgestiegen, über ihre Erfahrungen während der fast dreiwöchigen Ausbildung in Barsinghausen, über enttäuschte Erwartungen und über persönliche Ambitionen.

 

Hallo Veit, hallo Matze. Der etwas umständliche Name „DFB-Elite-Jugend-Lizenz“ macht ja den Anschein, als ob dieser Lehrgang speziell auf die Arbeit im Jugendbereich ausgerichtet war...

Lührmann: Das hat man gedacht, ja. Die Inhalte waren allerdings häufig aufs 11 gegen 11 ausgerichtet. Das fand ich persönlich nicht so toll. Und auch die Ideen und Ansätze der einzelnen Teilnehmer wurden nicht so stark eingebunden.

Usslepp: Ja, das stimmt. Es ist nicht so, dass wir besonders viel Neues beigebracht bekommen haben. Die 26 Teilnehmer wühlen während des Lehrgangs alle in ihrem eigenen Zeug. Davon kannst du dann etwas adaptieren. Aber da kommt niemand und sagt: So wollen wir in Zukunft spielen, da wollen wir euch hintrainieren.

Lührmann: Bei den Übungen vor Ort war teilweise das Problem, dass jedem Trainer ein 20-Minuten-Block zugeteilt wurde. Dieser Block hat sich aber manchmal auf eineinhalb Stunden auseinandergezogen, weil jeder der 26 Leute auf dem Platz noch etwas zu sagen hatte.

 

Also viel Bekanntes, wenig Neues. Wie hat sich das im Hinblick auf die Prüfung ausgewirkt?

Lührmann: Die meisten Sachen für die Prüfung hat man sich selbstständig angeeignet.

Usslepp: Ja, die Theorie hast du dir praktisch zwischen den Seminarwochen erarbeitet. Da hatte man jeweils eine Woche Pause und bekam eine Hausaufgabe. Und so hat man sich dann in die Arbeit mit einer Jugendmannschaft reingedacht.

 

Wie groß war denn der Zeitaufwand im Allgemeinen?

Lührmann: Von 8 bis 18.30 Uhr war Programm. Und abends nach dem Essen hat man sich noch mit Gruppenarbeiten beschäftigt.

Usslepp: Na gut, man muss sagen, dass Matze auch einfach fleißiger war als viele andere. Ich bin abends dann noch zum Training nach Welling gerauscht.

 

Wie bewertet ihr den Lehrgang abschließend? Wie fällt euer Fazit zur Lizenz aus?

Lührmann: Wenn man die Lizenz schon so speziell benennt, hätte man noch mehr auf die Jugend eingehen müssen. Gerade zum Thema Athletik hätte man mehr machen können. Sehr interessant war natürlich, die Leute kennenzulernen und jeden Abend zusammen über Fußball zu sprechen.

Usslepp: Ein bisschen nimmt man ja immer mit. Aber vielleicht sind meine Erwartungen da auch zu hoch. Der Vortrag eines Psychologen war für mich zum Beispiel der beste Vortrag von allen. Das hatte nicht direkt mit Fußball zu tun, aber das war echt gut.

 

Und wie soll es für euch weitergehen? Strebt ihr trotz der gemischten Erfahrungen auch noch die A-Lizenz an?

Usslepp: Ja, das ist schon irgendwo noch ein Ziel. Matze könnte sie jetzt direkt machen, ich habe den nötigen Schnitt nicht bekommen.

Lührmann: Ich werde mich in einem halben Jahr bewerben. Und wenn es zeitlich passt, will ich das auf jeden Fall probieren. Aber ich muss natürlich auch jobmäßig gucken: Für die A-Lizenz geht es noch weiter weg und man ist drei Wochen raus. Außerdem ist es auch ein finanzieller Aufwand, der sich lohnen muss.

 

Themawechsel, jetzt geht’s um euch persönlich: Welcher Trainer hat euch in eurer aktiven Laufbahn am meisten geprägt im Hinblick auf euer jetziges Trainerdasein?

Usslepp: Jürgen Gessat. Von dem habe ich die ruhige Art gelernt. Es gab in den letzten Jahren immer mal wieder die Situation, wo ich in der Kabine hätte ausrasten können. Aber ich habe es nicht getan, weil ich eben auch das Gegenbeispiel zu Jürgen kennengelernt habe.

Lührmann: Bei mir ist es eine Mischung aus Quatti [Stephan Quatmann, Anm. d. Red.], der ja eher der impulsive Typ ist, und Bernd Birkemeyer, mit dem ich in Borgloh zusammengearbeitet habe.

 

Ihr seid beide noch junge Trainer und nicht mit dem WTV verheiratet. Wo seht ihr euch persönlich in fünf Jahren?

Usslepp: Darüber habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Ich hangle mich von Saison zu Saison. Und mehr als das aktuelle Pensum mit meinen Kreisliga-Jungs würde ich zurzeit auch gar nicht auf die Reihe kriegen. Klar, ist die Landesliga oder Oberliga irgendwann mal ein Traum. Aber dann musst du natürlich noch mehr machen, gerade mit Gegnerbeobachtung und Spielergesprächen.

Lührmann: Das ist bei mir ähnlich. Natürlich hätte ich Lust, mal höher zu trainieren und mich dort zu beweisen. Aber es ist schwierig, da eine Chance zu bekommen. Ich glaube, es ist einfacher für Leute, die höher gespielt haben, einen ambitionierten Trainerjob zu finden.

 

Wollt ihr auf Dauer in eurem Bereich bleiben? Also Mathias im Jugend- und Veit im Herrenbereich?

Usslepp: Ich bin da schon offen. Zur Vorbereitung auf die Elite-Jugend-Lizenz musste man ja auch zwanzig Lehreinheiten am Stützpunkt mit talentierten Jungs trainieren. Und da habe ich ein bisschen Blut geleckt, das hat schon Spaß gemacht.

Lührmann: Also ich hätte schon Bock, mal ein Herrenteam zu übernehmen. Auch um zu sehen, ob ich damit klarkomme. Da wollte ich eigentlich immer hin. Aber auch der Trainerjob bei einer ambitionierten Damenmannschaft würde mich mal reizen.

 

Welche taktische Formation favorisiert ihr, angenommen ihr habt die passenden Spielertypen?

Lührmann: (sofort) 3-5-2.

Usslepp: (überlegt) Ja, habe ich zur Rückrunde auch spielen lassen. Aktuell ist es für mich auch das 3-5-2.

 

Von welchem Trainer würdet ihr gerne mal etwas lernen und euch etwas abschauen?

Lührmann: Jürgen Klopp, ganz klar.

Usslepp: Ja, Kloppo und Christian Streich. Und auf Ralf Rangnick hätte ich auch mal Bock.

 

Letzte Frage, kurze Antwort: Glaubt ihr, dass ihr als aktiver Spieler mit euch selbst als Trainer klargekommen wärt?

Lührmann: Nein.

Usslepp: Ja.

 

Das Interview führte Micha Lemme.

Zum Seitenanfang